An die Redaktion des 'Landschleicher' vom ORB Fernsehen" Da nun am Sonnabend, dem 15.06.2002, die Gemeinde ihren 805. Geburtstag feiert, möchte ich Ihnen von einem Ort bei Nauen berichten, in dem es fast nichts gibt oder gab, was es nicht gibt. Vielleicht ist das mal eine Reportage wert.

Die Jungendlichen Konrad Richter und Dirk Milius haben die Gemeinde Markee ins Internet gestellt, so dass Sie sich mal ansehen könnten, wie der Ort mit seinen über 80 Jahren alten Kastanien entlang der Dorfstraße zu dieser Zeit aussieht. Da aber längst nicht alles, was es in Markee gab und gibt nicht darin enthalten ist, will ich es etwas ergänzen. Wenn man die Berichte des Landschleichers verfolgt, so muss man feststellen, dass die Orte nach der Wende fast alles verloren haben und nur von der alten Generation zusammengehalten wird.


Hier in Markee ist das durch die Initiative unserer Bürgermeistern Anke Meißner und ihrem Mann nicht so. Jede Menge Gewerbe sind angesiedelt worden. Das war nicht immer von Dauer, denn so haben ein Sonderpostenmarkt, ein Polstermöbel- und Innenausstattermarkt sowie ein Werkzeugladen wieder aufgegeben.

Bis zur Wende waren die beiden VEG Pflanzen- und Tierproduktion im ganzen Land bekannt, denn sie gehörten zu den Versorgungsbetrieben für Berlin, speziell Gemüse und Milch. 2000 ha wurden auch durch eine Baumschule bewirtschaftet und die 2000 Schweine, 2000 Schafe und 1500 Rinder lieferten den notwendigen Humus. Durch die günstige Lage den Rinderkombinats, mit 750 Milchkühen zur Molkerei Nauen wurde in den 70er Jahren die erste in Deutschland gebaute Milchpipeline über 3,5 km in Betrieb genommen. Daraus entwickelte sich dann die Möglichkeit Vorzugsmilch für Westberlin mit täglich 10.000 Liter bereitzustellen, die dann durch Bolle direkt dorthin geliefert wurde.

Die intensive Landwirtschaft brauchte natürlich ca. 300 Arbeitskräfte und deshalb wurden hier 4 Wohnblöcke mit 144 Wohnungen gebaut, die bereits seit einigen Jahren rekonstruiert sind. Manche Besucher wundern sich dann, dass es so etwas auf einem Dorf gibt.

Die damalige Feldwirtschaft wird jetzt von 4 Betrieben vorbildlich bewirtschaftet, wo sogar noch die Wegränder saubergehalten werden. Von den damals vorhandenen Viehbeständen sind nur wenige Rinder übriggeblieben.

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Die Markeer Einwohner haben eigentlich schon fast alles erlebt, was es gibt, ob es der Absturz eines Kampfflugzeuges 1953 oder der Ausbau der ICE-Strecke Berlin-Hannover bzw. der Ortsumgehung Nauen waren, die dicht am Ort vorbei verlaufen. Es waren auch schon Löwen, Elefanten und Kamele, als auf dem Gutshof mal ein Zirkus sein Winterquartier bezogen hatte. Die dort vorhandene Brennerei ist noch in Betrieb, über deren Schornstein schon 1934 ein Zeppelin fotografiert wurde. In dem jetzt leerstehenden Gutshaus gab es schon Asylanten und geistig behinderte Menschen. Diese prägen eigentlich das Bild des Dorfes. Obwohl sie jetzt in einen Neubau nach Nauen gezogen sind, betreiben sie hier eine Behindertenwerkstatt mit eingeschlossener Autopflege. In dem früheren Kindergarten befindet sich jetzt eine Förderschule. Hierhin werden täglich durch kleine Busse behinderte Kinder aus der Umgebung gebracht und dort unterrichtet. Die Schule soll nun noch weiter behindertengerecht ausgebaut werden. Der Kindergarten zog in die nach der Wende rekonstruierte Dorfschule, die als solche nicht mehr gebraucht wird. Da hier auch Kinder von außerhalb kommen, musste diese zu diesem Zweck umgebaut werden.

Wie bereits vom ORB berichtet, hat sich auf dem Vorwerk Neuhof eine "Fazenda da Esperanda" (Hof der Hoffnung) als Suchthilfeprogramm angesiedelt, die suchtgefährdete Jugendliche mit Hilfe von Franziskanerinnen ins Leben zurückführen will. Dieses Gebäude war schon alles. Als Schnitterkaserne und Pferdestall gebaut, war es nach dem Krieg ein Außenlager des Frauengefängnisses Brandenburg. Danach zogen Studenten der Humboldtuniversität zum Praktikum ein. Sie wurden abgelöst durch die behinderten Menschen. Zuletzt war es ein Schafstall und wird nun nach den neuen Anforderungen umgebaut (Unterkünfte, Werkstätten und eine Fleischerei). Jährlich findet ein Treffen statt, an dem Menschen von überall teilnehmen und auch mit Bussen anreisen. Nur der Weg dorthin mit ca. 2,5 km gleicht einer Buckelpiste, für die es noch keine Lösung gibt.

Das Vorwerk Röthehof, auf dem es vor der Wende Schafe und Schweine gab, hat jetzt der seit 50 Jahren bestehende Reit- und Fahrverein Markee gekauft. Außerdem sorgt ein Hundesportverein aus Berlin für Leben auf dem Platz. Die Reiter des Vereins nehmen an vielen Turnieren in der Umgebung teil und richten selbst in regelmäßigen Abständen Termine im Ort aus.

Neben Fußball und Anglerverein, Feuerwehr und einer Frauengesangsmusikgruppe gibt es noch ein Forellenparadies, das sich in einem Speicherbecken eingerichtet hat und nun laufend von staatlichen Stellen traktiert wird, weil eine Initiative anscheinend einigen Neidern nicht gefällt. Der ORB hat auch darüber berichtet, sowie von einem Besuch von Regine Hildebrand, die damals den von der AWO betriebenen landwirtschaftlichen Betrieb besuchte. Auch Erwin Strittmatter hat mit Edith Rimkus in den 50er Jahren einen Bildband, den Erntesommer über das Leben in Markee herausgebracht.

All diese Aktivitäten sind ohne parteiliches Geränkel entstanden. So können jetzt auch 3 neue Wohnparks, die nun auf bauwillige Häuslebauer warten. Eine im Ort beheimatete Baubrigade ist z.Zt. dabei, einige Schandflecke im Ort zu beseitigen, die es natürlich auch gibt. So sind die beiden Gutshöfe dem Verfall preisgegeben und für die ehemalige Gaststätte "Grüner Baum", in dem bereits der "Polizeiruf 110 - Alte Freunde" mit Leuten aus Markee gedreht wurde, gibt es keine Bewerber. Die Pastorin bemüht sich um Gelder für ihre zwei Kirchen - und das ist nicht leicht.

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Den Markeer Bürgern gefällt auch nicht alles, was um sie herum passiert. So haben wir im Süden eine Schadstoffdeponie und etliche Windräder kommen immer näher an den Ort heran. Davon gibt es zurzeit im Süden eins, im Westen 17 und im Osten 10.

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