Fotos zeigen im Amtsgericht Nauen, wie es um die Kinderrechte im Havelland bestellt ist

Quelle: Märkische Allgemeine, Verfasser: ANDREAS KAATZ

NAUEN. Sie lernen Demokratie im wahrsten Sinne des Wortes von klein auf - die Mädchen und Jungen in der Kindertagesstätte "Kunterbunt" in Markee. Denn Kinderkonferenzen gehören dort zum Alltag und damit auch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Zur Sprache kommt, was die Steppkes gut finden, aber auch, was ihnen nicht gefällt. Dass sie bei ihrer Konferenz auf einem roten Teppich sitzen, scheint kein Zufall zu sein. Im Markee werden die Jüngsten ernst genommen.

Zu sehen ist die Kinderrunde auf einem Foto im Rahmen der Wanderausstellung "Meine Kinderrechte im Havelland". Und zwar dort, wo Recht und Gesetz ohnehin zu Hause sind - im Amtsgericht Nauen. Dessen Präsident Dieter Neumann eröffnete die Ausstellung mit 28 Fotos, die bis 28. Februar im Neubau des Gerichts einen Überblick darüber geben, wie es um die Kinderrechte im Havelland bestellt ist.


Das Besondere daran ist, dass die Kinder selbst die Fotos angefertigt haben. Sie folgten damit einem Aufruf des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland und des Jugendfördervereins Mikado während der Interkulturellen Woche im vergangenen Jahr. Gefragt waren Bilder, bei denen sich Kinder und Jugendliche mit ihren internationalen Kinderrechten auseinander setzen. Wo klappt es gut, wo hapert es noch?

Alle Altergruppen machten mit - von den Kleinsten der Spielgruppe in einer Kita bis hin zu 18-Jährigen. Das Ergebnis hat auch die Organisatoren überrascht. "Ich dachte, dass das Recht auf Spielen und Erholung im Vordergrund stehen wird", meinte Anke Bienwald von Mikado. Tatsächlich zeigten die Beiträge letztlich eine große thematische Vielfalt, darunter viel Kritisches. Wobei auch das "Spielen" nicht zu kurz kam - anhand zweier, kontrastierender Bilder. Eines zeigt in einem Wohngebiet das Schild "Spielstraße" (verkehrsberuhigter Bereich), das andere - wenige Meter entfernt - die Aufschrift "Ballspielen verboten".

Das Recht auf Versorgung beispielsweise wird durch ein Bild von der Nauener "Kinderoase" repräsentiert, wo sozial benachteiligte Kinder ein preiswertes Essen bekommen. Dass die Privatsphäre von Kindern allzu häufig nicht gewahrt wird, symbolisiert ein kaputter Briefkasten. Und das Recht auf elterliche Fürsorge untermauerte Malte (5) mit dem Foto seines Bruders, der gerade gestillt wird, und dem Kommentar: "Als ich ein Baby war, habe ich auch aus Mamas Brust Milch getrunken. Das war einfach schön und gemütlich."

"Wir wollen mit der Ausstellung auch die Erwachsenen mit den Kinderrechten vertraut und deutlich machen, dass man die Kinder respektieren und wie Freunde behandeln sollte", macht Katrin Jura vom Freidenkerbund das Anliegen der Ausstellung deutlich. Diese sei schon in der Havellandklinik auf große Resonanz gestoßen.