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Auf einem Feld im Havelland protestieren zwei Männer mit einem Hungerstreik gegen weitere Riesenräde

Quelle: Märkische Allgemeine, Verfasser: ANKE FIEBRANZ

BREDOW. Wasser und Kaffee - mehr nehmen Peter Eichholz und Rudolf Bachmann seit vier Tagen nicht zu sich. Die beiden Havelländer sitzen seit Sonntag auf einem Feld zwischen Bredow und Nauen. Sie befinden sich im Hungerstreik, protestieren so gegen immer mehr Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Nauener Platte.

"120 stehen schon. Das ist genug", schimpft der 39-jährige Eichholz. Sein Mitstreiter ist schon 82 Jahre alt, wollte aber bei der spektakulären Aktion unbedingt dabei sein. Gesundheitliche Schäden nimmt Bachmann in Kauf: "Wenn es mir schlecht geht, rufe ich eben die 112", so der Brieselanger. Schon viele Besucher ließen sich sehen, seit die beiden ihr Zelt an der Bundesstraße 5 aufgeschlagen und ein 20 Meter langes Transparent entrollt haben. "Stopp! Hungerstreik - Hier keine weiteren Windräder!", steht darauf. "Von der Straße her hupen uns die Autofahrer zu", berichtet Eichholz. Er ist sich sicher: Müssten die Leute nicht zur Arbeit, würde sich mancher dem Hungerstreik anschließen.


Er und Bachmann sind Mitglieder der Bürgerinitiative "Gegenwind", in der sich vor ein paar Monaten Windkraftgegner mehrerer Orte zusammengeschlossen haben. Markeer, Zeestower, Wustermarker und Bredower sind aufgeschreckt, seit die Zahl der "Spargel" immer mehr zunimmt und die Masten immer höher werden. Sie klagen unter anderem über Lärmbelästigungen durch die großen Rotorblätter, warnen vor einer Industrielandschaft und dem Werteverfall der Grundstücke. "Markee ist schon fast umstellt", sagt Ortsbürgermeister Roland Borchert. Nun soll nicht noch durch 19 weitere Räder der Blick nach Osten verschandelt werden. Auch Bredower und Zeestower befürchten, weitere 15 Anlagen vor die Nase gesetzt zu bekommen. "Die Gemeindevertretung von Brieselang, zu der beide Ortsteile gehören, könnte das verhindern, wenn sie wollte", davon ist Rudolf Bachmann überzeugt. Aber die Politiker würden wohl mehr Wert auf Ausgleichszahlungen der Investoren legen, um die leere Gemeindekasse zu füllen.

Das allerdings weist Brieselangs Bürgermeister Wilhelm Garn zurück. Er sei auch kein großer Freund der Windmühlen, aber die Gemeinde habe nun mal die Rechtslage zu beachten. Seit Dezember 2004 gibt es einen genehmigten Plan "Windenergie", beschlossen von der Regionalen Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming. In diesem Papier ist die "Nauener Platte" als Windeignungsgebiet ausgewiesen. Das hat trotz aller Proteste Bestand. "Deshalb ist es nicht möglich, alle Anträge von Investoren einfach abzuschmettern", so Garn. Besser sei es, einen Kompromiss auszuhandeln.

Rudolf Bachmann und Peter Eichholz wollen keine Kompromisse mehr. Deshalb hungern sie.